Dankbarkeit

Die Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen

Die immense Wichtigkeit von Dankbarkeit ist eines der wenigen Themen auf diesem Planeten, über das sich sowohl Atheisten, Anhänger aller Weltreligionen sowie Wissenschaftler einig sind.

Wer dankbar ist, kann positive Gefühle mehr genießne und erlebt langfristig weniger negative Gefühle wie Wut, Schuld, Trauer, Angst, Neid oder Sorge. Wer dankbar ist, hat ein erhöhtes Selbstwertgefühl und kann leichter mit Belastungen und Stress umgehen. Wer dankbar ist schläft besser, verhält sich hilfsbereiter, kann leichter gute pesrönliche Beziehungen aufbauen und stärkt auf diese Weise soziale Bindungen.

Du musst Dankbarkeit nicht explizit gegenüber deinen Mitmenschen zum Ausdruck bringen, umd diese positiven Effekt zu erzielen. Es reicht aus wenn du innerlich dankbar bist oder darüber schreibst (z.B. in dein Tagebuch) Ebenso ist es nicht entscheidend ob du nur ein wenig oder überzeugt (extrem) dankbar bist. Für dein Wohlbefinden ist es primär wichtig, dass du überhaupt in irgendeier Form regelmäßig Dankbarkeit empfindest. Hast du diese einmal geschafft, ist ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt, der nach und nach automatisch die Vorteile von bewusster Wertschätzung in dein Leben integriert.

Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken, ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht zu verschenken

Stell dir vor, du lebst mit jemandem zusammen, der dich immer an die schönen Dinge in deinem Leben erinnert. Jemand, der dir morgens zeigt, wie wundervoll jeder neue Tag sein kann. Wenn du abends im Bett liegst, erinnert er dich daran, dass die Decke warm und schützend über dir liegt und ganz nebenbei sind negative Emotionen wie Neid, Wut oder Angst in seiner Gegenwart wie weggeblasen [1]. Tatsächlich wohnt schon so jemand in dir. Oder besser gesagt wohnt SIE schon in dir: Die Dankbarkeit!

Dein Gehirn als Haus

In unserem Gehirn bündeln sich Millionen von Nervenzellen zu verschiedenen Regionen, die für die unterschiedlichsten Dinge zuständig sind: Für das Sprechen, Rollschuhfahren, der Gedanke an Halle Berry oder eben Dankbarkeit. [2] Stark vereinfacht kann man sich das Gehirn als Haus mit vielen tausenden Wohnungen vorstellen, in denen kleine Helferlein leben, die sich besonders gut mit ihren jeweiligen Spezialgebieten auskennen.

Wo Dankbarkeit in deinem Gehirn wohnt

nicht die Glücklichen sind Dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind

Damit diese Helferlein sich bei dir wohlfühlen, müssen die Räumlichkeiten genutzt und bewirtschaftet werden. Wer seit Jahren nicht mehr im Kopf gerechnet hat, wird vielleicht schon über 300:15 stolpern. Das Kopfrechnen-Helferlein ist aus seiner vernachlässigten Wohnung ausgezogen und damit nicht bereit, dir sofort zur Seite zu stehen. Ebenso verhält es sich mit der Dankbarkeit. Wofür du dankbar bist, weißt du umso besser, je öfter du dich das fragst. Die Neurowissenschaftler beschreiben das mit einem simplen Spruch: Use it or lose it [3] Gebrauche es oder es geht verloren. 

Ein ungeübtes Gehirn ist schädlicher für die Gesundheit als ein ungeübter Körper. George Bernard Shaw

Das bewirkt Dankbarkeit

Um zu sehen, wie der regelmäßige Gebrauch von Dankbarkeit das Gehirn verändert, baten Forscher der University of Indiana ihre Probanden drei Wochen lang Dankbarkeit zu praktizieren, indem sie jemandem in einem Brief ihre Dankbarkeit ausdrückten. [4]  An wen sie schrieben und ob sie den Brief auch wirklich abschicken wollten, durften sie dabei selbst entscheiden. Dass sich die Versuchskaninchen danach wesentlich besser fühlten, wurde bereits in anderen Studien beobachtet. [5] Neu ist aber, dass dieser Effekt auch im Hirnscan nachgewiesen werden konnte: Das Schreiben der Briefe erzeugte eine Veränderung der Strukturen im medialen präfrontalen Cortex – eine Region, die mit Dankbarkeit und selbstbezogenen mentalen Aktivitäten assoziiert wird. [6] Das Gehirn wurde sozusagen durch die Dankbarkeit ummodelliert.

Falls dir manchmal nichts einfällt, wofür du dankbar sein könntest, dann haben wir hier ein paar Ideen für dich.

Lass die Dankbarkeit in dein Haus einziehen

Das demonstriert deutlich: Dankbarkeit ist nicht nur ein Gefühl, das irgendwo herumschwirrt. Sie sitzt in deinem Kopf und verankert sich dort umso mehr, je öfter du dankbar bist. Immer wenn du deine Aufmerksamkeit bewusst auf etwas richtest, für das du dankbar bist, werden die neuronalen Verbindungen in deinem Gehirn gestärkt – etwa so, als würdest du die Heizung im Zimmer hochdrehen und es der Dankbarkeit so richtig gemütlich machen.

Und dann ist es wie beim gut geübten Kopfrechnen: Du musst nicht lange nachdenken, wofür du dankbar bist, es wird mehr und mehr zum automatischen Prozess. Zwei mal Zwei ist Vier und ich bin dankbar für … !

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Quellen:

[1] Dankmuskel bitte anspannen: www.spiegel.de/Psychologie/Dankbarkeit

[2] Die Halle Berry Zelle: www.welt.de/Eine-Nervenzelle-erkennt-Halle-Berry 

[3] Denken hilft: www.zeit.de/Hirnforschung

[4] Kini et al. (2016): The effects of gratitude expression on neural activty

[5] Jackowska et al. (2015): The impact of a brief gratitude intervention on   subjective well-being, biology and sleep

[6] Fox, Kaplan und Damasio (2015): Neural correlates of gratitude

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