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Wahre Wundermittel

Man nehme ein Stück Gold und löse es in Flüssigkeit
So einfach liest sich das Rezept für Aurum Potabile, den Goldtrunk der Alchemisten, der von allen Leiden befreit und unsterblich macht. Nur zwei Zutaten braucht es für ein ewiges Leben – und doch ist es bis heute keinem Chemiker, Arzt oder Magier gelungen, das sagenumwobene Lebenselixier zu brauen.
Gibt es tatsächlich ein Mittel, das man neben gesunder Ernährung und essentiellen Nährstoffen, das frei von künstlichen Zusatzstoffen ist und als Universalmedizin betrachten könnte und nichts kostet?
Mit jeder neuen Erkenntnis werden sich aber nun auch die Mediziner sicherer: Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung wirken wie eine hoch dosierte Arznei, beugen Krankheiten, können diese sogar heilen und das Leben verlängern.

Wie eine hoch dosierte Pille setzt jede körperliche Anstrengung unzählige physiologischer Vorgänge in Gang. Das Herz pumpt schneller, die Körpertemperatur steigt, Dutzende von Botenstoffen strömen in Kopf und Glieder und der Stoffwechsel nimmt Fahrt auf.

Im Gehirn entstehen neue Nervenbahnen. Krankes Gewebe heilt, neue Zellen wachsen heran, und Erbsubstanz wird repariert. Die Mechanismen, die Sport im Körper lostritt sind positiv, vielfältig und komplex. Bewegung ist eine hocheffektive Therapie, die gegen weitaus mehr Krankheiten hilft, als wir bisher wussten.

Bekannt ist, dass Sport die Muskulatur, aber auch die Knochen stärkt. Wer sich viel bewegt, ist weniger anfällig für Verspannungen und er schützt sein Skelett bis ins hohe Alter vor Brüchen. Denn auch die Knochensubstanz profitiert von Sport indem äußere Krafteinwirkungen die Zellen des Knochenmarks anregen, neues Gewebe zu produzieren.

Jede Kraft, die ein Muskel erzeugt, wirkt auch auf den Knochen, mit dem er verbunden ist. Dabei verformt sich der Knochen leicht – und das setzt innere Aufbauprozesse in Gang. Wer regelmäßig trainiert, am besten schon im Kindes- oder Jugendalter, senkt daher sein Risiko für die Alterserkrankung Osteoporose, bei der die Knochen nach und nach an Dichte und Stabilität einbüßen.

Wieviel und welche Art von Aktivität am besten wirken, ist individuell. Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren alleine reichen leider nicht aus.

Stabilisationsübungen und Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht sind optimal um physiologische und morphologische Anpassungen im Körper herbeizurufen.

Fest steht auch, dass Kraft- und Ausdauertraining Übergewicht Krankheiten  wie Krebs vorbeugen vorbeugen.Unsere Fettpolster speichern nämlich nicht nur überschüssige Energie, sie geben auch Hormone ab. Gerade im Bauchfett (auch viszerales Fett genannt) werden entzündungsfördernde Stoffe gebildet. Diese wandern in andere Körperregionen ein und begünstigen dort das bösartige Zellwachstum: Beginnen diese, sich unkontrolliert zu vermehren, kann sich daraus einen bösartiger Tumor entwickeln. Indem Fettzellen durch Bewegung vernichtet werden, erstickt man also den Keim einer möglichen Krebserkrankung.

Gegen Wohlstandskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Übergewicht gilt Bewegung ebenfalls längst als probates Mittel – vorbeugend und sogar als eigene Therapieform. Sie hält die Arterien gesund und bewahrt uns so vor Infarkten und Schlaganfällen. Sie kurbelt die Bildung des sogenannten guten HDL-Cholesterins an, das schädliche Blutfette aufnimmt und zur Leber transportiert, wo sie ab- oder umgebaut werden. Zudem senkt Sport langfristig den Blutdruck. Und auch der Zuckerhaushalt lässt sich so stabil halten, dass körperlich aktive Typ-2-Diabetiker keine Tabletten mehr schlucken müssen. Alles in allem ist Sport eine Superpille, die am besten präventiv genommen wird.

Reinhard Gossner


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